Schrecksekunden auf dem Eis und ein irrer Millionenpoker abseits der Bande

Man hat ja für einen kurzen Moment wirklich das Schlimmste befürchtet. Als Leon Draisaitl am Samstagabend beim Spiel seiner Edmonton Oilers gegen die Minnesota Wild – das für sein Team übrigens mit einer ziemlichen 3:7-Watschen endete – ungebremst in die Bande krachte und danach direkt in den Katakomben verschwand, hielt man nicht nur in Deutschland kollektiv den Atem an. Ein Ausfall so kurz vor den Olympischen Spielen in Mailand? Das wär schon ein gewaltiger Dämpfer gewesen. Auf den TV-Bildern sah man noch, wie sich der 30-Jährige die rechte Hand hielt, als er wenig später doch wieder aufs Eis zurückkehrte.

Aber man kann erst mal durchschnaufen. Am Montag gab der Stürmer in einer Medienrunde Entwarnung und meinte recht trocken: „Mir geht es soweit ganz gut, nichts Schlimmes, so wie es aussieht.“ Die Olympia-Teilnahme wackelt also nicht. Für ihn und die Oilers stehen in der NHL jetzt noch zwei Partien auf dem Programm, bevor er seine Koffer packt. Ernst wird es dann am 12. Februar, wenn das deutsche Nationalteam gegen Dänemark ins olympische Eishockey-Turnier startet.

Während es bei Draisaitl also um die sportliche Ehre auf dem Eis geht, wird hinter den Kulissen der Liga gerade um ganz andere Dinge gefeilscht – nämlich um richtig viel Kohle. Da hat sich in den letzten Tagen ein Vertragspoker aufgetan, der durchaus ein paar Fragen aufwirft. Insidern zufolge hatten die Dallas Stars den Seattle Kraken die offizielle Erlaubnis erteilt, mit Jason Robertson zu verhandeln. Und die Kraken haben da offenbar nicht lange gefackelt. Ein satter Achtjahresvertrag lag auf dem Tisch, dotiert mit rund 15 Millionen Dollar pro Saison. Nur: Robertson hat das Angebot dankend abgelehnt.

Das Kuriose an der ganzen Gschicht ist, dass ein Trade zwischen den beiden Franchises im Hintergrund wohl schon quasi ausverhandelt war. Im Raum stand als Gegenwert unter anderem Seattles Erstrundenpick – immerhin der siebte Pick beim Draft am kommenden Freitag. Was das jetzt für die Stars und ihren 40-Tore-Mann bedeutet, steht aktuell völlig in den Sternen.

Weder Dallas noch Seattle wollten die geplatzte Nummer kommentieren, und auch Robertsons Agent, Andy Scott, hüllt sich beharrlich in Schweigen. Man hört aus Liga-Kreisen, dass Robertson und die Stars in ihren eigenen Verhandlungen bei den Gehaltsvorstellungen noch gut zwei Millionen Dollar pro Jahr auseinanderliegen. Dallas orientiert sich bei der Budgetplanung offenbar an ihrem derzeitigen Top-Vertrag von Mikko Rantanen, der zwölf Millionen pro Jahr einstreift. Die interne Hoffnung war wohl, dass sich Robertson irgendwo in dieser Größenordnung einpendelt. Ob das nach der 15-Millionen-Offerte aus Seattle noch eine realistische Verhandlungsbasis ist, darf man aber getrost bezweifeln.

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