Tony Iob: „Ich hatte durch meinen Stil, Eishockey zu spielen, viele Feinde in den gegnerischen Reihen“

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Anthony “Tony“ Iob ist in Österreich jedem Eishockey-Fan ein Begriff. Der in Renfrew, Ontario geborene, heute 48-jährige Italo-Kanadier absolvierte 346 Spiele in der höchsten österreichischen Spielklasse und sammelte 384 Punkte sowie 722 Strafminuten.

Gedraftet von den Buffalo Sabres

Tony Iob wurde 1991 in Runde 9 von den Buffalo Sabres gedraftet. Warum es für den damals 20-jährigen zu keinem Einsatz in der NHL gereicht hat? “Ich spielte ein Jahr für die beiden Farmteams von Buffalo, Rochester Americans (AHL) und Erie Panthers (ECHL). Am Ende der Saison gab es dann ein Angebot für ein Try-Out bei Tampa, um für ihr Farmteam, die Atlanta Knights, zu spielen. Zur selben Zeit bekam ich aber ein Angebot aus Milan und ich entschied mich für Italien“, so Tony. Knapp 4 Saisonen absolvierte Tony dann für die Milano Devils,  mit denen er auch einen Meistertitel feiern konnte, bevor es dann von Italien nach Deutschland in die DEL ging. Nach der Station bei den Kölner Haien (1,5 Saisonen) ging es zurück nach Italien – Asiago war für Iob der neue Arbeitgeber. Danach ging es erstmals nach Österreich. 41 Spiele bestritt Iob für den Wiener EV, in denen er gleich 74 Scorerpunkte sammeln konnte.  “Nachdem meine Saison mit Wien zu Ende war wechselte ich zu den Phoenix Mustangs in die WCHL. Wir gewannen dort die Meisterschaft und es war eine Menge Spaß nach Nordamerika zurückzukehren, um wieder dort zu spielen“. Anthony Iob hatte maßgeblichen Anteil am Gewinn des WCHL Taylor Cup. Er war im Playoff der Spieler mit der besten +/- (+12), den meisten Toren (8) und den meisten Punkten (17). “In der darauffolgenden Saison bekam ich ein Angebot von Augsburg, Bob Mano war damals ihr Coach. Letztlich ging ich aber nach Tampa Bay zu deren Trainingscamp. Dieses beendete ich jedoch nicht und so ging ich nach Europa zurück“ erzählte Tony.  Er konnte von Eishockey nicht genug bekommen, auch bei seinen weiteren Stationen, bei denen für sein jeweiliges Team die Saison vorzeitig zu Ende war, suchte er sich eine Alternative, um weiter zu spielen. 

Meistertitel mit dem KAC

In der Saison 2002/03 setzte Iob dann seine Österreich-Karriere fort. 5 Saisonen war er im Dienste des EC KAC. 2003/04 konnte er den Meistertitel feiern und war auch hier maßgeblich daran beteiligt. Über die gesamte Saison gesehen hatte er ligaweit die beste +/- (+26), die meisten Punkte (64) sowie die meisten Playoff-Tore (9) und Playoff-Punkte (12).  Das war aber nicht alles, Tony Iob war ausserdem auch als Rauhbein bekannt. In seinen insgesamt 346 Spielen in Österreichs höchster Spielklasse erzielte er nicht nur 384 Scorerpunkte, sondern sammelte ebenfalls 722 Strafminuten. Umgerechnet verbrachte Tony in Österreich somit gut 12 Stunden in der Kühlbox. Wir haben ihn nach seinem Spielstil gefragt und die Antwort kam prompt: “Ich spielte jeden Shift als wäre es der Letzte und liebte es wirklich für die Fans zu spielen. Ich spielte für jedes Team mit stolzer Brust.“ Gerade deshalb war Tony bei allen seinen Fans sehr beliebt und die Gegner hassten ihn dafür. Seine Karriere ließ Iob letztendlich in Graz bei den 99ers ausklingen, welche ihn nach 5 Jahren Klagenfurt noch für 2 weitere Jahre an die Mur lotsten.

Olympia, die Weltmeisterschaft und die Meistertitel

Durch seine Doppelstaatsbürgerschaft war Iob für das italienische Nationalteam spielberechtigt. Somit war er auch bei sämtlichen Teamspielen für das Team Italien im Einsatz. Für 114 Spiele streifte er das Teamtrikot über. Zu seinen schönsten Momente in seiner Karriere gefragt, erzählte uns Tony: “Ich hatte jedes Jahr schöne Momente, die Erinnerung an die olympischen Spiele ist eine der Besten, die Weltmeisterschaften und die Meistertitel in Italien und Österreich freuten mich besonders für die Fans. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich den Anruf vom italienischen Team erhielt, mit der Mitteilung, dass ich zum Olympiateam gehöre. Eine großartige Erinnerung, ein Haufen Spieler von überall kam zusammen, um sich mit den besten Teams auf der Welt zu duellieren.“

“Hatte durch meinen Stil viele Gegner auf dem Eis“

Durch seine rauhe, ruppige Art, Eishockey zu spielen, hatte Tony Iob in den gegnerischen Reihen keine Freunde. Er stand auch gerne mal im Faustkampf seinen Mann und sprang auch für seine Mitspieler in die Bresche. “Durch meinen Spielstil hatte ich eine Menge Gegner auf dem Eis.“ so der Linksschütze. Mit seinen ehemaligen Mitspielern und Kollegen versucht Anthony auch heute noch den Kontakt zu pflegen. “Mit Mike DeAngelis, mit dem ich mehrere Jahre in Italien spielte, spreche ich auch heute noch sehr oft. Wir besuchen uns ausserdem auch des Öfteren.“ erzählt Iob.

Nach Spielerkarriere weiterhin im Eishockeygeschäft tätig

Eine Eishockey-freie Zeit gab es für Anthony Iob auch nach seiner aktiven Karriere nicht: “ Ich startete bei Olympic Edge Skills Development. Ich coachte viele Nachwuchsteams. Zur Zeit bin ich als Coach Mentor für Nepean Minor Hockey in Ottawa tätig. Ich coache dort die Trainer, ich helfe ihnen mit sämtlichen Übungen und gehe auf das Eis, um die Spieler weiter zu entwickeln.“ erzählte uns Iob über seinen Weg nach der aktiven Karriere. Weiters fügt er hinzu: “Zur Zeit arbeite ich als Account-Manager für eine IT-Firma. Ich vermittle IT-Berater zu Jobs in die kanadische Regierung oder zu privaten Unternehmen.“

Für eine Playoff-Serie würde Iob erneut die Schuhe binden

Zum Abschluss des Gesprächs mit RH,  legte Tony noch einen drauf: “ Ich denke, dass ich für eine Playoff-Serie zurück auf das Eis kehren könnte. Ich bin für einen fast 50-jährigen in einer ziemlich guten Verfassung.“ 

 

 

Ein Bericht von Patrick A.

 

 

 

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