Tine Krainz: „Mit dem Feind im gleichen Zimmer“

9 mins read

Graz. Wir haben uns mit Martin „Tine“ Krainz getroffen und sprachen mit dem 52jährigen gebürtigen Klagenfurter über seine Zeit als Aktiver und die Zeit danach, sowie seinen jetzigen Beruf als Spielerberater.

4 Meistertitel mit Klagenfurt

Martin Krainz ist jedem Eishockeyfan in Österreich ein Begriff. Seine Karriere begann 1985/86 beim EC KAC. 14 Jahre trug der Verteidiger das Trikot des Rekordmeisters und konnte in dieser Zeit sensationelle 4 Meistertitel feiern. Während dieser Zeit lief Krainz auch 23x für das österreichische Nationalteam auf und vertritt sein Heimatland 1994 bei den olympischen Spielen in Lillehammer. In der Saison 1998/99 war das Abenteuer KAC für Krainz dann zu Ende. Beide Seiten ( Trainer Herbert Pöck und Krainz selbst) waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr miteinander zufrieden und somit ging man nach 19 Spielen in dieser Saison getrennte Wege. Es kam dann prompt ein Angebot von den London Knights, die damals in der britischen Liga „BISL“ aktiv waren. Diese Liga zeichnete sich hauptsächlich durch ihre Härte aus. „Es gab dort sehr viele Fighter in der Liga“ so Krainz. Viele Kanadier und Amerikaner nutzten diese Liga als Sprungbrett, um in Europa erstmals auf sich aufmerksam zu machen. Seine Familie blieb zu diesem Zeitpunkt in Österreich – manchmal wurde Krainz in London besucht. Nach diesem Auslandsabenteuer lag ein Angebot des damaligen WEV auf dem Tisch. Nach einem Jahr in Wien ging es für den harten Verteidiger für 2 Jahre nach Zell am See, danach für 3 Jahre nach Graz. In Graz beendete Krainz seine Karriere in der höchsten österreichischen Spielklasse und absolvierte dann im Alter zwischen 38-40 Jahren noch 3 Saisonen für den EV Zeltweg in Österreichs zweithöchster Spielklasse. Auf die Frage nach den schönsten Momenten kam natürlich sofort die Antwort: „Die Meistertitel mit dem KAC, aber auch die Zeit unter Mike Zettel in Graz.“ Weiters kam von uns die Frage auf Kollegen, mit denen er gerne zusammen gespielt hat, und ebenso Gegner, mit denen nicht gut Kirschen essen war. „Anfangs waren die damaligen Grazer Elefanten Cracks Nachbaur und Doyle so ziemlich unangenehme Gegenspieler. Als ich dann aber selbst mit Rob Doyle beim KAC im gleichen Team spielte, verstanden wir uns sehr gut. Ebenfalls war der mittlerweile leider verstorbene Jim Burton ein toller Kollege. Aus der Graz-Zeit gab es auch tolle Burschen, wie etwa Greg Day, Warren Norris oder Jeremy Rebek.“ 

Der Feind im Zimmer

Als Krainz wieder mal für das Nationalteam im Einsatz war, gab es eine recht lustige Geschichte. „Der damalige Teamchef Ken Tyler hat den Austro-Kanadier Don Nachbaur, einen der gehassten Gegenspieler, ins Team einberufen und wie damals üblich, die Zimmereinteilung gemacht. Ich kam dann genau mit Don ins selbe Zimmer“ lacht Krainz. “ Die anderen Teamspieler konnten sich das Lachen kaum verkneifen und scherzten dann mit: Hoffentlich schlagen die sich nicht im Zimmer schon die Köpfe ein.“ so der Klagenfurter weiter. Mit Don Nachbaur pflegt Krainz auch heute noch Kontakt: „Don war ein super Teamkollege und derzeit arbeiten wir gerade an einem Europa-Engagement von Don, der bereits in der NHL als Assistant Coach tätig war“

Als Co-Trainer und Sportdirektor in Graz

Seine Off-Ice Karriere begann für Martin Krainz dann 2010/2011 bei den Graz99ers. Sein Job damals: Assistant Coach von Bill Gilligan. Die ersten beiden Jahre war das Hauptaugenmerk von Krainz das Training der Verteidiger. Auch wurde bei der Linienzusammenstellung darauf geachtet, das ein Legionär mit einem Österreicher gepaart wird. 2012/13 hatte Krainz die Doppelfunktion Assistant Coach und Sportdirektor. 2014/15 war er dann ebenfalls noch Sportdirektor in Graz. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf Spielerverpflichtungen in Absprache mit Trainer und Geschäftsführung. 

Hauptberuf: Spielerberater

„In meiner noch aktiven Zeit in Zeltweg hab ich mit dem Geschäft als Spieleragent begonnen und begann damals schon mein Netzwerk aufzubauen. Mit Tommy Cijan betreibe ich gemeinsam eine Agentur und wir ergänzen uns ausgezeichnet. Seit 3-4 Jahren mache ich das mittlerweile hauptberuflich“ Viele Fans fragen sich: Was machen eigentlich die Spielerberater? Tine Krainz klärte uns in dieser Frage auf und verschaffte einen kleinen Einblick in sein Leben als Spielerberater. „Wir haben cirka 30 Österreicher und rund 20 Ausländer zu betreuen. Man führt täglich viele Telefonate, hört sich die Probleme der Spieler an und versucht so gut es geht zu helfen.“ Erhalten die Spieler bei ihren Klubs zu wenig Eiszeit oder sind in einem Tief, dann suchen sie das Gespräch mit ihren Beratern und es wird versucht eine Lösung dafür zu finden. “ Ich schaue mir dann auch die Spiele an und beobachte meine Spieler sehr genau. Ist die Kritik am Spieler gerechtfertigt versuche ich ihm mit Lösungsvorschlägen zu helfen – andernfalls rede ich mit dem jeweiligen Trainer und hake dort nach. Gibt es für meine Spieler bei den Clubs keine gemeinsame Zukunft mehr, so suche ich nach eventuellen Möglichkeiten bis zur Transferdeadline bzw. schon für die darauffolgende Saison.“ Eine weitere Tätigkeit eines Spielerberaters ist es die Vereine mit Neuigkeiten zu informieren. Sei es mit Spielern, die man neu unter Vertrag hat, oder mit Informationen, bei wem der Vertrag ausläuft und wer frei wird. Viele Spieler aus Übersee, die erstmals nach Europa kommen, wechseln aufgrund Trainerempfehlung zu ihren neuen Klubs. Die meisten davon haben dann in Europa keinen Spielerberater und um diese Spieler bemühen sich die Agenturen. Europaweit tauscht man sich mit anderen Agenturen um Spieler aus, die eventuell grad für die verschiedensten Märkte interessant sein könnten – so versucht man sich dann gegenseitig zu helfen. Viele Spieler, die neu in die EBEL wechseln, werden ebenfalls gleich von Krainz und Co. angefragt und man versucht sie für sich zu gewinnen. Nach der Saison beginnt für Spieler und Teams die sogenannte Transferzeit. Die Spieler werden den Teams angeboten und genauso läuft es auch umgekehrt. Es wird versucht, für alle Beteiligten das Bestmögliche rauszuholen. Bei den meisten Angeboten gibt es eine Deadline. Wird bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt kein Vertrag unterzeichnet, so verliert das Angebot an Gültigkeit. „Gute, gefragte Spieler warten meist mehrere Angebote ab und versuchen so ihren Wert zu erhöhen. Finden die Teams aber in diesem Zeitraum anderes Spielermaterial und zeigen kein Interesse mehr, so kommt es desöfteren zum klassischen Fall des „verpokern“. erzählt Krainz und fügt hinzu: “ Bei Spielern, die keine besonders gute Saison hingelegt haben und die nicht mehr so gefragt sind, rate ich, nicht zu lange zu zögern., sondern sobald sich eine gute Möglichkeit ergibt, zu unterschreiben.“  Den Job als Spielerberater genießt Tine Krainz tagtäglich aufs Neue. “ Es ist eine tolle Herausforderung, man hat tolle Erfahrungen mit jungen Spielern ab 16,17 aufwärts, ich helfe ihnen ihre Karriere zu planen, stelle die Weichen für die Zukunft und versuche ihre Träume zu erfüllen“ erzählt er. Krainz ist es gelungen einen Peter Schneider als jungen Spieler nach Amerika zu bringen und jetzt in die NLA in die Schweiz. Er hat auch einen Manuel Ganahl seitdem er cirka 17 Jahre alt ist unter seinen Fittichen wie auch den langjährigen Nationalteamspieler Daniel Oberkofler. Ebenfalls betreut er die slowenischen Nationalspieler Jan Mursak, Jan Urbas, Rok Ticar oder Ziga Jeglic.

 

 

 

Comments