Achtungserfolg für deutsche Junioren Trotz einer durchwegs ansprechenden Leistung musste die deutsche U20-Nationalmannschaft zum Auftakt der Weltmeisterschaft eine einkalkulierte Niederlage hinnehmen. In St. Paul unterlag die Truppe von Bundestrainer Tobias Abstreiter dem Gastgeber und amtierenden Titelverteidiger aus den USA mit 3:6. Wenn man bedenkt, dass es im letzten Testspiel kurz vor Turnierbeginn noch eine herbe 0:8-Klatsche gegen die Nordamerikaner gesetzt hatte, präsentierte sich die Auswahl diesmal deutlich gefestigter. Ein rascher 0:3-Rückstand im ersten Drittel verhieß zwar anfänglich nichts Gutes. Doch die Deutschen bewiesen Moral. Timo Kose aus Frankfurt in der 18. Minute und der Straubinger Simon Seidl wenig später brachten ihr Team wieder auf Tuchfühlung. Nach einem weiteren Gegentreffer sorgte der Düsseldorfer Lenny Boos sogar noch für das zwischenzeitliche 3:4. Die ganz große Sensation blieb am Ende allerdings aus, da der haushohe Favorit im weiteren Spielverlauf wieder davonzog und letztlich souverän gewann.
Erbitterter Kampf um den Ligaerhalt Unter den wachsamen Augen etlicher NHL-Scouts hat das deutsche Team bei diesem Turnier ein unmissverständliches Ziel vor Augen. Es geht schlichtweg um den Verbleib in der Top-Division, ein Kunststück, das in den vergangenen beiden Jahren erst in überaus nervenaufreibenden Entscheidungsspielen gelang. Das Regelwerk ist dabei eindeutig. Die besten vier Mannschaften der beiden Gruppen steigen ins Viertelfinale auf. Die jeweiligen Tabellenschlusslichter müssen in einer Relegation um den Klassenerhalt rittern. Auf die Abstreiter-Auswahl warten in der Gruppenphase noch harte Brocken, man trifft auf die Slowakei, Schweden und schließlich die Schweiz.
Der Blick richtet sich auf die französischen Alpen 2030 Dass die USA derzeit nicht nur im Nachwuchs das Maß aller Dinge sind, zeigte sich unlängst eindrucksvoll bei den Olympischen Winterspielen 2026. Das Turnier endete mit strahlenden US-Amerikanern, die sich nach einem Finalsieg gegen Kanada hochverdient die Goldmedaille um den Hals hängen durften. Nach diesem Triumph laufen die Planungen für das olympische Turnier 2030 in den französischen Alpen bereits auf Hochtouren. Da sich die NHL und die Spielergewerkschaft NHLPA in ihrem Kollektivvertrag darauf verständigt haben, ihre Profis für diese Spiele freizustellen, steht dem nächsten Eishockey-Spektakel nichts im Wege. Ein Großteil jener Mannschaft, die in Italien triumphierte, wird wohl auch in Frankreich wieder auf dem Eis stehen. Dennoch wird es naturgemäß Veränderungen im Kader geben, bedingt durch das Alter einiger Routiniers und das stetige Nachrücken junger, aufstrebender Talente.
Die absoluten Fixstarter Einige Personalien stehen für das künftige US-Team ohnehin außer Frage. Wenn man von einem harten Kern der Nationalmannschaft spricht, fallen Namen wie der dann 33-jährige Jack Eichel, Auston Matthews (32), Dylan Larkin (33) sowie die Hughes-Brüder Jack (28) und Quinn (30). Ebenso gesetzt dürften Charlie McAvoy, Tage Thompson und Zach Werenski (alle 32) sowie das Brüderpaar Brady (30) und Matthew Tkachuk (32) sein. Bemerkenswert war bei den vergangenen Spielen vor allem das Zusammenspiel von Eichel und den Tkachuks in einer von Coach Mike Sullivan formierten Linie. Teamkapitän Auston Matthews ist aus dieser Auswahl ohnehin kaum wegzudenken, solange er in der NHL weiterhin derart verlässlich trifft. In der Defensive stach Quinn Hughes als komplettester Verteidiger heraus, meist dicht gefolgt von Charlie McAvoy, was die durchschnittliche Eiszeit betraf. Auch Werenski drückte dem Spiel hier kräftig seinen Stempel auf.
Von Sorgenkindern zu Goldhelden Der Weg zum Gold war für einige Akteure jedoch keineswegs geradlinig. Dass Jack Hughes für 2026 überhaupt in den ersten Kader berufen wurde, untermauert das immense Vertrauen der Verantwortlichen in seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. In der regulären NHL-Saison hatte er noch mit Verletzungen zu kämpfen und wirkte beim 4-Nations-Turnier auf der Flügelposition phasenweise völlig deplatziert. In Mailand zahlte er das Vertrauen dann aber eindrucksvoll zurück. Er avancierte zu einer der treibenden Offensivkräfte, erinnerte in seiner Spielweise stark an eine modernere Version von Patrick Kane und krönte seine Leistung schließlich mit dem titelbringenden „Golden Goal“. Zunächst in der vierten Linie gestartet, erarbeitete er sich rasch seinen Platz an der Seite von Larkin, der nach einem bereits herausragenden 4-Nations-Turnier ebenfalls großartige olympische Momente lieferte. Das Trio Eichel, Matthews und Larkin bot den Amerikanern eine Tiefe auf der Center-Position, wie man sie in der Nationalmannschaft wohl selten zuvor gesehen hatte.
Motivation durch Nichtbeachtung Eine besondere Geschichte schrieb Tage Thompson. Seine Nominierung schien im Vorfeld vielleicht am ehesten wackelig, da er anders als die meisten anderen Fixstarter für das 4-Nations-Turnier nicht berücksichtigt worden war. Diesen Rückschlag nutzte der Stürmer der Buffalo Sabres jedoch als gewaltigen Antrieb. Er schoss in der Zeit zwischen der Nicht-Nominierung und den Olympischen Spielen unglaubliche 48 Tore, womit er ligaweit nur von Nathan MacKinnon übertroffen wurde. Seine unnachgiebige Performance bei den Winterspielen räumte im Anschluss restlos alle Zweifel an seiner Berechtigung für einen Kaderplatz aus dem Weg.
Starke Ergänzungen und ungenutzte Reserven Auch Spieler wie Boldy, Faber und Sanderson drängten sich massiv auf. Boldy bestach als einer der aktivsten Schützen im US-Team und scheute keinen Zweikampf in den unangenehmen Zonen vor dem Tor. Er hat sich mit 135 Punkten in 136 Spielen in den letzten beiden Jahren zu einem echten Fixpunkt amerikanischer Herkunft entwickelt und dürfte weiterhin eine tragende Rolle spielen. Faber fügte sich nahtlos neben Jaccob Slavin ein, ganz wie er es schon beim 4-Nations-Turnier getan hatte. Sanderson, der dort noch den verletzten Quinn Hughes ersetzt und im Finale getroffen hatte, stellte ebenfalls eine sichere Bank in der Abwehr dar. Ein interessanter Fall ist LaCombe. Er rückte in Italien als Ersatz für Seth Jones in den Kader nach, kam aber keine einzige Minute zum Einsatz. Das spricht allerdings weniger gegen ihn, sondern zeigt vielmehr die unfassbare Kadertiefe der Amerikaner in der Defensive. Sein Dabeisein wirkte wie eine Investition in die Zukunft, um ihn behutsam an seine Rolle für 2030 heranzuführen. Was die Position zwischen den Pfosten betrifft, wird wohl weiterhin Jake Oettinger ein gewichtiges Wort mitreden. Der Umstand, dass er in der Gruppenphase noch unberücksichtigt blieb und erst in den Medaillenspielen als Backup fungierte, ändert nichts daran, dass er wohl auch in vier Jahren noch zu den absoluten Top-Tormännern der NHL zählen wird.