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Backstagestories / Analysen

EBEL-Analyse: Darum hat es für Wien nicht gereicht

PSR / Leo Vymlatil

Seit einer Woche steht der jüngste EBEL-Meister fest. Der KAC konnte sich in Spiel 6 der diesjährigen Finalserie gegen die Vienna Capitals, die gemeinsam mit Graz die Liga über weite Strecken dominiert hatten, durchsetzen und damit den einunddreißigsten Titel der Vereinsgeschichte bejubeln. Während die Hauptstädter bereits am Kader für die nächste Saison arbeiten, beleuchtet RH noch einmal die Gründe für das Verfehlen des Saisonziels der Wiener – dem dritten EBEL-Titel.
Trotz der ernüchternden Finalniederlage war es für die Wiener zum dritten Mal in Folge eine rekordträchtige Saison. Gleich zu Beginn der Spielzeit egalisierten die Donaustädter ihre eigene Bestmarke mit zwölf Siegen in den ersten zwölf Spielen. Ebenso wurden in der Zwischenrunde zum ersten Mal in der EBEL alle zehn Partien gewonnen. Auch einen individuellen Rekord stellten die Caps auf. Taylor Vause erzielte beim 5:0-Sieg über Zagreb in nur achtundachtzig Sekunden den schnellsten Hattrick der Ligageschichte.

Darüber hinaus konnten die Hauptstädter mit neunundvierzig Partien zwei Drittel ihrer Spiele geweinnen und damit alle andere Teams in dieser Kategorie abhängen. Als erstes Team qualifizierte man sich für die Playoffs, als stärkstes Heim- und drittstärkstes Auswärtsteam spielte man auch in diesen Kategorien vorne mit. Mit Chris DeSousa und Peter Schneider hatte man zwei der sechs besten Scorer der Liga in den eigenen Reihen, Letzterer war als Gesamtdritter sogar mit Abstand der beste Österreicher auf dieser Liste.
Doch wieso reichte all dies im Endeffekt nicht für den dritten Meister-, sondern nur den dritten Vizemeistertitel?

Die Schiedsrichter der Finalserie
In den diesjährigen Finalpartien standen trotz einiger toller Leistungen wie jenen von Lars Haugen, JP Lamoureux und Sondre Olden vor allem die Referees. Immer wieder fielen die Unparteiischen mit mehr als nur umstrittenen Entscheidungen auf. Zwar sorgten (ausbleibende) Pfiffe für oder gegen beide Teams für Verwirrung bei Spielern wie Zusehern, doch entschieden einige dieser Urteile das ein oder andere Finalspiel zumindest mit.

Die Serie gegen Znaim
Doch kann die Finalniederlage nicht allein auf die Schiedsrichter zurückgeführt werden. Bereits im Viertelfinale gegen das sehr körperbetont aufspielende Znaim zeigten die Wiener das ein ums andere Mal Nerven und mühten sich letztendlich trotz eindeutiger Ergebnisse in fünf Spielen zum Aufstieg in das Halbfinale. Zwar schoss man gegen die Tschechen insgesamt siebeundzwanzig Tore, doch dürften die Adler mit ihrer harten Herangehensweise auf und abseits des Eises bleibende Schäden hinterlassen haben, wie sich in der Serie gegen die Roten Bullen zeigte.

Die Serie gegen Salzburg
Auf dem Papier waren die Wiener die Favoriten, doch war von Anfang an klar, dass in den kriselnden Mozartstädtern, die sich im Viertelfinale gegen das Überraschungsteam aus Fehérvár duchsetzen konnten, enormes Potential schlummerte. Unerwartet war trotzdem, dass die Hauptstädter von Anfang an angeschlagen wirkten und sich vermehrt defensive Fehler leisteten, die letztendlich die Serie in die Länge zogen.

Auch offensiv traten die Caps nicht mehr so überzeugend auf. Zwar spielte RB-Goalie stark auf, doch nur drei Powerplaytore aus zweinundzwanzig Überzahlsituationen sowie insgesamt nur neunzehn Tore aus zweihundertneunundfünfzig Schüssen gegen vor allem für ihre Offensive bekannte Salzburger sprechen Bände.

Die Serie gegen Klagenfurt
Abseits der Schiedsrichterkontroversen bissen sich die Wiener an einer starken Klagenfurter Abwehr die Zähne aus. Angeführt von Lars Haugen kassierten die Kärntner in zwei Spielen keinen einzigen Gegentreffer. Doch auch hier kann die fehlende Chancenauswertung nicht nur auf den Gegner geschoben werden. Aus sechsundzwanzig Powerplays konnten die Donaustädter nur zwei Mal Kapital schlagen, von insgesamt einhundertsechsundsiebzig Schüssen landeten nur sieben hinter dem norwegischen Torhüter der Rotjacken.

Der verschollene Topscorer
Während Chris DeSousa auch in den Playoffs groß aufspielte, baute die Form von Peter Schneider deutlich ab. Gegen Znaim noch unter den Topscorern, wurde der Wiener in der Serie gegen Salzburg zunehmend unsichtbarer. Bevor er im letzten Finalspiel den wohl letzten Assist seines Engagements für die Caps verzeichnete, war er zuvor seit Halbfinale 6 sechs Partien ohne Punkt geblieben. Sein letztes Tor erzielte der Stürmer überhaupt bereits in Halbfinalspiel 3. Ob dies nun an einer möglichen Ermüdung aufgrund der vorangegangenen Monate oder an vermutlich bereits eingesetzten Vertragsgesprächen mit dem EHC Biel – Gerüchte darüber setzten nur wenige Tage nach Schneiders letztem Treffer ein – lag, sei dahin gestellt. Offensichtlich war jedoch, dass der MVP der Saison seinem Team schmerzlich abging.

Die defensiven Fehler
JP Lamoureux spielte unumstritten die beste Saison seiner Karriere. Doch trotz der unbestechlichen Form ihres Torhüters ließen die Wiener immer wieder Tore zu, die einzig auf unkonzentrierte Verteidiger zurückzuführen sind. Vor allem Alex Wall, der offensiv stark präsent war, und Ex-Bozener Mat Clark wirkten in vielen Situationen abwesend, was den Hauptstädtern einige Gegentreffer bescherte.

Die verletzten Leistungsträger
Mit Rafael Rotter und zuletzt auch Patrick Mullen fehlten in der entscheidenden Phase der Saison zwei Stützen des Teams. Vor allem Rotter fehlte als Motivator und Spielmacher im strauchelnden Powerplay. Mullen fehlte in der Defensive der Caps als Ruhepol und Stütze.

Zusammengefasst kann also gesagt werden, dass – wie so oft – nicht nur ein Grund gefunden werden kann, der das Scheitern der Wiener erklärt. Wie schon im letzten Jahr hinderten die Hauptstädter mehrere kleine wie große Ursachen am Gewinn des dritten Meistertitels der Vereinsgeschichte.
Doch können die Caps auf einige positive Momente zurückblicken. Neben der sportlich starken Gesamtleistung des Teams können die Wiener mit Eigenbauspieler Benjamin Nissner auch den Youngster des Jahres ihr Eigen nennen. Darüber hinaus scheint Patrick Peter seine Entwicklung entgütlig abgeschlossen zu haben und nun zu einem verlässlichen Verteidiger für die Donaustädter avanciert.
Wenn mit Dave Cameron verlängert wird, scheint eine weitere tolle Saison vorprogrammiert. Der Kanadier kann zudem im kommenden Sommer auch verstärkt am Kader mitbasteln und somit eventuell Wunschspieler, die besonders in sein System passen, an Bord holen.

für ring-hockey.at (Lukas Hörmandinger)

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