Interview mit VEU Feldkirch Manager Michael Lampert

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Die VEU Feldkirch, eines der großen Traditionsteams aus Vorarlberg, kämpft derzeit in der Alps Hockey League um einen Platz im vorderen Tabellendrittel. ring-hockey.at interviewte Geschäftsführer Michael Lampert zur aktuellen Situation des Teams in der Liga und zum Ausblick für die Zukunft. Das Gespräch führte Hans-Peter Gauster.

ring-hockey.at: Die VEU steht derzeit (Stand 22.11., Anm. d. Red.) auf Tabellenrang 9, allerdings mit 3 Spielen weniger als zum Beispiel EHC Lustenau auf Rang 6. Wie zufrieden seid ihr mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Michael Lampert: Wir haben uns selbst vor der Saison im Bereich zwischen Rang 6 und 10 gesehen, je nachdem wie sich die Saison – auch in Hinblick auf Verletzungen – entwickelt. Wir haben gerade letztes Jahr ja eine sehr bittere Saison erlebt. Wir haben wohl auch dieses Jahr verletzte Spieler, aber glücklicherweise nicht in so gravierendem Ausmaß wie im Vorjahr. Bis jetzt sind wir daher recht zufrieden mit unserem Abschneiden, da die Liga natürlich schon sehr anspruchsvoll ist.

RH: Ihr wart in den vergangenen Tagen aufgrund der Wetterkapriolen stark von Spielabsagen betroffen. Wie schwierig ist diese Situation für euch?

ML: Ich habe unmittelbar vor unserem Gespräch mit den Ligaverantwortlichen gesprochen um die Ersatztermine abzuklären und kurz gesagt: Es ist ein Wahnsinn für uns. Wir haben, so wie es jetzt aussieht, Anfang Jänner innerhalb von 10 Tagen ein Programm von 6 Spielen. Die Anzahl der Begegnungen, die wir zu bestreiten haben, nähert sich mittlerweile dem an, was in der Erste Bank Eishockey Liga zu absolvieren ist und gerade wochentags ist es oft schwierig für manche unserer Leute, die neben dem Sport noch berufliche oder schulische Verpflichtungen haben. Wenn dann durch höhere Gewalt noch solche Situationen auftreten ist das schon sehr hart, aber das muss man so annehmen, wie es ist.

RH: Wie schätzen Sie die Struktur der Alps Hockey League allgemein ein? Ist die Liga eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit den dominanten Teams aus Italien und Slowenien einerseits und den österreichischen Ausbildungsvereinen andererseits?

ML: So ist es natürlich, aber das war es von Anfang an, und ich habe mich glücklicherweise selbst ein wenig getäuscht, als ich befürchtete, dass wir Österreicher nach dem Zusammenschluss der Liga gar keine Chance haben würden. Ich habe in diesem Fall unser Niveau sogar ein wenig unterschätzt. Man muss bedenken, dass die AHL für Italien die erste Liga ist. Das Spielermaterial, das den italienischen Mannschaften zur Verfügung steht, mit Nationalteamspielern und den besten Nachwuchsspielern, können wir nicht aufbieten. Das selbe gilt für Slowenien. In Österreich aber ist die AHL ganz klar die zweite Liga und wir sind meilenweit davon entfernt einen Nationalteamspieler verpflichten zu können. Alleine dass dann Italiens Nationalteam Österreich bei der WM besiegen kann und wir absteigen müssen, verrät viel über das Niveau in der Liga. Wir können die großen Teams in der Liga wohl ärgern und den einen oder anderen Sieg erringen, aber über die Distanz setzt sich die höhere Klasse durch. Das sehe ich schon als gewisses Problem. So toll das hohe Niveau in der Liga ist, aber die Lücke darf nicht zu groß werden. Wir würden gerne junge Spieler einbauen und ihnen Erfahrung geben, aber wenn der Sprung noch größer wird, dann ist es einfach zu viel. Dazu kommt, dass unsere allerbesten Nachwuchsspieler oft schon in jungen Jahren abwandern.

RH: Ein aktuelles Beispiel: Am Vorabend haben die Steelwings Linz gegen Ritten 10 zu 0 verloren. Kein wirklicher Motivationsschub für die jungen Spieler im Linzer Kader.

ML: Linz hat vielleicht einen ähnlichen Fehler wie der KAC beim Einstieg in die Liga begangen und das Niveau ein wenig unterschätzt. Ich finde es grundsätzlich super, wenn die jungen Spieler zu ihren Einsätzen kommen, aber du brauchst auch Führungsspieler, an denen sie sich orientieren können. Die Liga ist zu gut, um mit ausschließlich jungen, unerfahrenen Spielern bestehen zu können. Das geht nur, wenn man wie Red Bull Salzburg, aufstrebende internationale Top-Talente aufbieten kann, aber wer außer Salzburg hat vergleichbare Möglichkeiten? An einem schlechten Tag kann so etwas übrigens uns auch passieren. Es reicht vielleicht schon ein Ausfall aufgrund einer Verletzung, den wir nicht kompensieren können, und auch wir laufen in ein Debakel.

RH: Ihr habt mit Dylan Stanley und Robin Soudek zwei der absoluten Topscorer der Liga in euren Reihen. Zwei solche Stars zu haben ist toll, aber wie sehr hängt euer Erfolg an diesen Schlüsselspielern und was würde es für euer Team bedeuten, wenn sich diese Leistungsträger verletzen?

ML: Wir sind natürlich in einer gewissen Weise abhängig von ihren Leistungen. Das war vor der Saison ein großes Thema bei uns, weil wir uns der angespannten Situation am Spielermarkt durchaus bewusst sind. Die Diskussion war, ob wir unsere Legionärspunkte stärker aufsplitten sollen. Wenn du aber jüngere Spieler verpflichtest, die nicht die Klasse eines Robin Soudek mitbringen, wirst du einige Plätze weiter hinten in der Tabelle rangieren. Wir haben uns also vor der Saison für diesen Weg entschieden und bis jetzt funktioniert das sehr gut. Wir haben aber letzte Saison gesehen, als sich Robin Soudek den Kiefer gebrochen hat, dass wir Probleme bekommen haben – gar kein Thema.

RH: Ihr habt mit Joni Puurula einen neuen Tormanntrainer, der auch als Co-Trainer fungiert. Was sind eure Erwartungen an ihn?

ML: Wir hatten letztes Jahr noch mit Reinhard Divis als Tormanncoach einen Lokalmatador, was aber dieses Jahr nicht mehr möglich war. Also haben wir in unserem finanziellen Rahmen jemanden gesucht und glücklicherweise auch gefunden. Zum einen um im gesamten Verein, inklusive Nachwuchs, unsere Torleute zu forcieren und zusätzlich übernimmt Joni die Aufgabe den Trainer unserer ersten Mannschaft in der Meisterschaft zu unterstützen.

RH: Wie ist euer Publikumszuspruch und wie schätzen Sie die Attraktivität der unterschiedlichen Gegner ein?

ML: Natürlich sind für uns die Lokalderbys gegen Lustenau und Bregenzerwald die großen Publikumsmagnete. Mit diesen Schlagerspielen kannst du Zuschauer und damit auch finanzielle Mittel generieren. Ansonsten sind wir nicht unzufrieden, wir bewegen uns meistens im Bereich von gut 1000 Zusehern, wobei damit unsere Halle natürlich bei weitem nicht ausgelastet ist. Wir schaffen es ein bis zweimal pro Saison das Stadion annähernd zu füllen. Wir freuen uns schon auf das Spiel gegen Lustenau am 2. Jänner, was ein sehr guter Termin sein sollte. Aber: Wenn Asiago oder Ritten mit mehreren italienischen Nationalspielern im Kader zu uns kommen, bringt das leider keinen nennenswert höheren Zuschauerzuspruch.

RH: Nun zur Frage, die uns alle besonders interessiert. Ihr habt im Juni eine GmbH gegründet und viele Beobachter haben daraus geschlossen, dass die Pläne zum Einstieg in die EBEL konkreter werden. Was ist der Stand der Dinge?

ML: Wir haben das von Anfang an klar kommuniziert. Wir haben den Antrag zur Aufnahme in die Liga gestellt und die Gebühren bezahlt, die notwendig sind um überhaupt alle Unterlagen zu erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir noch nicht gewusst, was dieses Unternehmen für uns kosten würde und welche Gelder zum Beispiel aus Fernsehverträgen zur Verfügung stehen. Wir haben danach unser Budget angepasst, weil wir doch von einer geringeren Summe ausgegangen waren, die für den Ligaeinstieg notwendig ist. Die höheren Kosten für den Spielerkader zum Beispiel sind massiv. Man muss davon ausgehen 15, eher 18 bis 20 Profis anstellen zu müssen. Dann erhofft man sich natürlich höhere Einnahmen durch die Liga und Fernsehgelder, aber die Summen sind nicht ganz so hoch, wie wir angenommen hatten. Zusammengefasst: Wir haben nach wie vor den Fuß in der Tür, aber es ist noch nichts fixiert. Wir wollen zunächst unser Zielbudget für mindestens 3, lieber 5 Jahre unter Dach und Fach haben. Die Gründung der GmbH war insofern ein logischer Schritt, nicht zuletzt weil wir die Gastronomie an Heimspieltagen selbst betreiben und das Gastrosystem umgestellt und professionalisiert haben. Aber natürlich sind das Vorbereitungen, um im Fall des Einstiegs in die EBEL bestens vorbereitet zu sein.

RH: Wie sehr beeinflusst die gewisse Unsicherheit in der EBEL nachdem Hauptsponsor und Medienpartner angekündigt haben, ihre Kooperation nicht zu verlängern, die Entscheidung? Wie genau beobachtet ihr die Situation?

ML: Natürlich beobachtet man das mit, aber da bin ich prinzipiell Optimist. Jedes Ende ist eine Chance für etwas Neues. Vielleicht tut ein Wechsel auch ganz gut? Wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass die Liga auch nach dem Ausstieg der Erste Bank Bestand haben wird und versuchen unseren Weg so gut wie möglich zu gehen

RH: Vorausgedacht: Wenn die VEU in die Liga einsteigt, wie schätzen Sie den zur Verfügung stehenden Pool an österreichischen Spielern ein, die ein Verein braucht um nicht das erlaubte Kontingent für Legionäre zu überschreiten. Stünde ein Wettbieten um die besten einheimischen Spieler ins Haus?

ML: Jetzt sind wir wieder bei einem Thema, das wir gerade eben schon berührt haben: Nicht zuletzt deshalb sind wir der Meinung, dass der Ligaeinstieg viel mehr kostet als zunächst erhofft. Das ist durchaus ein Problem. Die zuletzt von der Liga getroffene Entscheidung zur Kürzung der Legionärsplätze müssen wir als Außenstehende ohnehin akzeptieren. Ob sich damit alle Vereine einen Gefallen tun ist aber schon fraglich. Für uns ist auch eines klar: Unabhängig davon, ob wir nächstes oder übernächstes Jahr einsteigen, werden wir als neues Team in der Liga in den ersten ein, zwei Jahren nicht sehr viele Spiele gewinnen und zu kämpfen haben.

RH: Abschlussfrage: Wo steht die VEU in fünf Jahren?

ML: Hoffentlich in der höchsten Liga, mit professionell geführten Vereinsstrukturen, einem gesicherten Budget und einem sehr gut aufgestellten Nachwuchs.

Michael Lampert, Jahrgang 1972, spielte den größten Teil seiner mehr als 20 Jahre dauernden aktiven Eishockey-Karriere als Verteidiger für die VEU Feldkirch. Er konnte 6 österreichische Meistertitel erringen und spielte unter anderem 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano für Österreichs Nationalmannschaft. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere wechselte er hinter die Bande und zeichnete als Headcoach für die VEU verantwortlich. Heute ist Michael Lampert Geschäftsführer der VEU Feldkirch Event GmbH.

Bild: Red Bull/GEPA pictures/ Jasmin Walter

 

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