Die Playoff-Vorschau mit dem Experten Roland Schurian

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In der EBEL-Saison 2019/20 sind wir nun in der heißen Phase angelangt. Am Start sind noch die 8 qualifizierten Teams, Sommerurlaub heißt es hingegen für Fehervar, Innsbruck und Dornbirn. Redakteur Patrick A. hat die Viertelfinalbegegnungen unter die Lupe genommen und sich ausserdem mit dem Experten Roland Schurian unterhalten. Der ehemalige EBEL – Stürmer gibt seine Meinungen und seine Tipps ab. Für ihn spielen die Schiedsrichter eine große und entscheidende Rolle.

Bozen, Salzburg, Graz und Linz kommen in das Halbfinale

 

HCB Südtirol Alperia – HC Orli Znojmo

Bild: 99ers/Krainbucher

Head to Head: 4:0

Der bisherige Saisonverlauf spricht eindeutig für die Mannschaft aus Südtirol. Nicht umsonst hat man sich, trotz der weiten Anreise, für den HC Orli Znojmo entschieden. Bozen konnte alle bisherigen Saisonduelle für sich entscheiden ( 9:0, 4:2, 3:1, 5:0 ) und dabei 2 Shutouts feiern. In die Pickround starteten die Mannen von Greg Ireland mit 0 Punkten und holten sich dennoch sensationell den 1.Platz mit 7 Siegen in Serie. Mit Leland Irving ( 92,7% ) hat man, der Statistik nach, den zweitstärksten Tormann im Kasten und mit 84,1% das zweitstärkste Unterzahlspiel. Die Kontrahenten aus Tschechien schafften mit Ach und Krach die Qualifikation für die Playoffs – obwohl man nur 4 Siege aus 10 Spielen in der Qualifikationsrunde feiern konnte. Mit 11,3% hat man ligaweit das schwächste Powerplay und auch im Penaltykilling ist man nur auf Rang 9. Die einzige Hoffnung hier ist wohl Anthony Luciani, der mit 62 Punkten am starken 2. Platz der Scorerwertung zu finden ist.

Roland Schurian: Bozen ist meines Erachtens die einzige Mannschaft die immer das gleiche Eishockey spielt, egal ob sie 3:0 vorne sind oder 0:3 in Rückstand liegen. Bozen ist eine physisch extrem starke Mannschaft. Sie spielen unauffällig, aber sind jederzeit für ein Tor gut. Sie verfolgen ihren Gameplan perfekt und sind auch sehr diszipliniert. Taktisch sind sie die beste Mannschaft in jeder Spielsituation. Jeder Spieler macht seine Arbeit und das ganze macht sie zu einer kompakten Truppe. Znojmo ist ein technisch starkes Team , aber das Penaltykilling und das Powerplay sind Schwachpunkte. In den direkten Duellen haben die Tschechen erst 3 Tore gegen Bozen gemacht. Ich bin der Meinung, dass Bozen den Tschechen absolut nicht liegt.  Wenn es von Beginn an nicht so läuft, verfallen sie in eine Theatralik und das ergibt dann die guten Chancen für die Südtiroler.

Tipp: 4:0 Bozen

 

 

EC Red Bull Salzburg – EC Panaceo VSV

Photo: GEPA pictures/ Mathias Mandl

Head to Head: 3:1

Den zweiten Pick hatte der EC Red Bull Salzburg. Man entschied sich für den VSV, welcher durch den Trainerwechsel zu Rob Daum aber wieder stärker im Aufwind ist. Die bisherigen Duelle der beiden Teams waren allesamt sehr knappe Angelegenheiten. Zwei Mal musste das Penaltyschießen den Ausgang entscheiden, jede Mannschaft gewann dabei ein Shootout. Die anderen beiden Spiele entschieden die Salzburger mit je einem Tor Unterschied für sich. Hier trifft das beste Powerplay (23,5% Salzburg) auf das drittbeste Powerplay (23,4% VSV). Der ehemalige VSV- Schlussmann J.P. Lamoureux in Diensten von Red Bull Salzburg ist ausserdem ligaweit der beste Torhüter ( 94,6% ).

Roland Schurian: Villach kann am ehesten am Anfang überraschen, aber auf die Serie gesehen wird es für den VSV nichts zu holen geben, alleine schon wegen der Kadertiefe. Durch den neuen Trainer (Rob Daum) ist frischer Wind eingekehrt und die Protagonisten haben wieder Selbstvertrauen. In der Zwischenrunde haben die meisten wieder ordentlich gepunktet. Aber allein wenn man bei Salzburg die Linie um Raffl hernimmt, die ist natürlich ein Wahnsinn und sticht absolut heraus. Und auch die anderen 3 Linien sind im Vergleich zum VSV einfach zu stark, das können die Adler nicht kompensieren. Der Tormann spricht auch für Salzburg, JP Lamoureux ist heuer der stärkste Goalie der Liga. Im Powerplay sind sie extrem stark, sie haben das beste Überzahlspiel. Die Partien waren allesamt sehr knapp, aber die Dominanz im spielerischen Bereich spricht eindeutig für Salzburg.

Tipp: 4:2 Salzburg

 

 

EV spusu Vienna Capitals – Moser Medical Graz99ers

Bild: 99ers/Krainbucher

Head to Head: 3:3

Die Saisonduelle sind ausgeglichen, es steht 3:3. Erst vergangene Woche kam es zum letzten Aufeinandertreffen dieser Teams, Wien konnte das Duell mit 5:4 knapp für sich entscheiden. Man darf jedoch gespannt sein, wie sich die 99ers mit vollem Kader anstellen. Eine Verletzung jagte die andere. Aber ab sofort steht Coach Doug Mason der gesamte Kader zur Verfügung. Aus den 8 Spielen in der Zwischenrunde gab es nur einen Overtime- Sieg in Klagenfurt und zuletzt setzte es 5 Niederlagen in Serie. Die Capitals hingegen gehen mit breiter Brust in das Duell – 3 Siege in Serie hat man aufzuweisen. Mit 83,8% liegt man im Penaltykilling auf Rang 3 und der Ex-Grazer Ty Loney ist mit 55 Punkten am 5. Platz der Scorerwertung.

Roland Schurian: In dieser Serie glaub ich das Graz überraschen kann. Es war schon eine große Sensation,  mit so vielen Verletzten die Pick-Round zu schaffen. Respekt vor dieser Mannschaft. Die 99ers haben eine technisch extrem starke Mannschaft – manchmal sind sie allerdings zu verspielt, verlieren hin und wieder den Endzweck aus den Augen und sind auch auf Konter sehr anfällig, da hat Wien mit einem Loney oder Holzapfel starke Spieler die das ausnutzen können. Wien hat ebenso eine technisch starke Mannschaft. Die Capitals sind ähnlich wie Bozen, eine geradlinige Mannschaft, die ihre Chancen eiskalt nützt.

Tipp: 2:4 Graz

 

EC KAC – Liwest Black Wings Linz

Bild: KAC/Kuess

Head to Head: 1:3

Der KAC hat die Pickround auf Rang 4 abgeschlossen und mit den Linzern blieb ihnen ein Gegner übrig, dem man in der heurigen Saison in den Saisonduellen mit 1:3 etwas hinterherhinkt. Zudem konnten die Klagenfurter in der Pickround nur 2 Siege einfahren. In dieser Serie trifft das beste Penaltykilling ( 86,5% KAC ) auf das beste Powerplay ( 23,5% Linz). Weiters darf man gespannt sein, wie sich Neuzugang Jhonas Enroth im Playoff schlagen wird. Auf ihn wird nicht wenig Arbeit zukommen, haben die Linzer doch mit Umicevic ( 65Pkt, 1.), Lebler ( 59Pkt, 3.) und Schofield ( 57Pkt, 4.) eine komplette Linie unter den Top 4 der Scorerwertung. Die Assistwertung führt ebenfalls Umicevic an. Die Scharfschützen der Liga sind seine Linemates Lebler ( 30 Tore ) und Schofield (28 Tore).

Roland Schurian: Der KAC ist defensiv extrem stark und die Rotjacken bekommen die wenigsten Tore der Liga. Teilweise sind sie zu Viert sogar noch stärker, das sieht man am besten Penaltykilling der Liga. Für Linz spricht halt die erste Linie mit Umicevic, Schofield und Lebler – sie sind alle unter den Top 4 Scorern der Liga, haben zusammen 181 Punkte gemacht. Die sind offensiv extrem gut und haben auch das beste Powerplay der Liga. Die Frage ist, ob sie den Catenaccio, den der KAC spielt, brechen können. Beim KAC stellt sich die Frage, wie sie mit den internen Problemen, die es heuer gab, umgehen können. Sie sind sicher nicht mehr so kompakt wie letzte Saison. Wenn es nicht rund läuft in dieser Serie kann es leicht sein, dass ein Unmut raus kommt und deshalb denk ich gewinnt Linz diese Serie.

Tipp: 2:4 Linz

Roland Schurian über die Schiedsrichter:

Bei allen 4 Serien ist halt auch die Frage, wie die Schiedsrichter agieren? Es ist mittlerweile ein körperloses Hockey in der Liga. Salzburg und der KAC beherrschen, obwohl sie es garnicht nötig hätten, da sie auch sonst stark genug wären, das Diving extrem gut, sie haben das regelrecht perfektioniert und wenn die Schiedsrichter da reinfallen, haben diese beiden Teams einen Vorteil. Ich bin schon gespannt, wieviel sie durchgehen lassen und wie oft sie auf solche Situationen reinfallen werden. Kleinigkeiten wie Haken und Behinderung, was Salzburg und der KAC extrem oft machen, aber bei ihnen selten gepfiffen wird, können ausschlaggebend sein. Das große Fragezeichen, ob es gute Serien werden, sind die Schiedsrichter.

 

Experte ROLAND SCHURIAN:

Der mittlerweile 43-Jährige hat 313 Spiele in Österreichs höchster Spielklasse absolviert und dabei 36 Tore und 117 Assists erzielt.

Bild: Styrian Panthers

 

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