Ernüchterung in Washington: Stars beenden Niederlagenserie gegen kraftlose Capitals

Die Hoffnung der Washington Capitals, ihre jüngste Erfolgsserie fortzusetzen, wurde am Mittwochabend in der Capital One Arena jäh gedämpft. Im letzten Heimspiel vor dem anstehenden „Mentors‘ Trip“ empfing die Mannschaft aus D.C. die Dallas Stars, die mit der Hypothek von sechs sieglosen Partien im Gepäck angereist waren. Was folgte, war jedoch kein Spaziergang für die Hausherren, sondern eine lehrreiche 1:4-Niederlage, die mehr Fragen als Antworten hinterließ. Es mangelte an Energie, Toren und letztlich auch an den nötigen Punkten.

Fehlstart und Kuriositäten am Mikrofon

Der Auftakt in die Partie verlief eigentlich recht ausgeglichen, wenngleich das erste Drittel von einem bitteren Gegentor überschattet wurde. Logan Thompson im Tor der Capitals konnte einen Schuss nicht festhalten, und Radek Faksa nutzte den Abpraller eiskalt zur Führung für Dallas – ausgerechnet in Unterzahl. Zwar leisteten die Texaner in der eigenen Zone solide Arbeit und ließen kaum mehr als einen Schuss pro Wechsel zu, dennoch fühlte sich der Rückstand zur Pause unnötig an, da Thompson und sein schwächelndes Powerplay-Team durchaus Chancen hatten, das Spiel offener zu gestalten.

Für Unterhaltung sorgte indes die nationale Übertragung auf TNT, wenn auch eher unfreiwillig. Eddie Olczyk echauffierte sich lautstark über eine Szene am Bullykreis mit Justin Sourdif und Connor McMichael, während Kommentator Kenny Albert kurz darauf gleich zweimal den Namen Beck Malenstyn rief. Ein ziemlicher Fauxpas, bedenkt man, dass Malenstyn nicht einmal im Bundesstaat war, da er mittlerweile für die Buffalo Sabres aufläuft.

Ein Mitteldrittel zum Vergessen

Was die Zuschauer im zweiten Abschnitt geboten bekamen, war wohl eines der zähesten Drittel der gesamten Saison. Den Capitals fehlte jeglicher Biss, die Spritzigkeit war wie weggeblasen. Das Powerplay wirkte ideenlos, als würden ein paar Jungs bloß entspannt übers Eis kurven. Passend zu dieser Lethargie fiel das 0:2: Sam Steel lenkte die Scheibe direkt vor dem Torraum ins Netz. Hier sah John Carlson am langen Pfosten nicht gut aus, wenngleich man argumentieren könnte, dass Goalie Thompson den Passweg hätte früher unterbinden müssen. Thompson, der aktuell nicht seine beste Form abruft, wollte wohl den Winkel zum Schützen verkürzen, zahlte dafür aber Lehrgeld.

Einzig Brandon Duhaime versuchte, seine Truppe und die Fans durch einen Faustkampf mit Ilya Lyubushkin aufzuwecken. Er gewann zwar den Fight, doch der erhoffte Ruck ging nicht durch die Mannschaft. Dennoch muss man ihm zumindest die Einstellung zugutehalten, Zeichen setzen zu wollen.

Personalfragen und taktische Fragezeichen

Man darf natürlich nicht außer Acht lassen, dass die komplette erste Sturmreihe fehlte. Tom Wilson und Aliaksei Protas fielen verletzungsbedingt aus, was eine enorme Lücke riss. Zwar spielten die Caps auch mit diesen beiden zuletzt nicht immer überragend, aber sie sind Akteure, die den Unterschied ausmachen können. Ein interessantes Detail am Rande war die Rückkehr von Brett Leason. Erstmals seit drei Saisonen trug er wieder das Trikot der Capitals, nachdem er zwischenzeitlich für die Anaheim Ducks spielte. Damals hieß der Trainer noch Peter Laviolette und Ilya Samsonov stand im Tor – eine halbe Ewigkeit im Eishockeygeschäft.

Kritisch hinterfragen muss man jedoch die Personalie Dylan McIlrath. Der Verteidiger mag ein sympathischer Kerl sein, doch wenn er im Line-up steht, agieren die Capitals faktisch oft wie in Unterzahl. Während man bei jungen Stürmern wie Hendrix Lapierre oder Sonny Milano aufgrund der Verletzungsmisere Verständnis für deren Eiszeit hat, bleibt es ein Rätsel, warum zwei definitiv stärkere Verteidiger auf der Tribüne sitzen müssen, nur damit McIlrath keine zehn Minuten Eiszeit sammelt. Die Defensive wirkte instabil, was sich beim dritten Gegentor zeigte: Ein katastrophaler Fehlpass in die eigene Zone, Matt Roy wurde von Steels Einsatzbereitschaft überrumpelt, und Wyatt Johnston stand völlig frei vor Thompson zum 0:3.

Lichtblicke und Rekorde im Schatten der Niederlage

Trotz der tristen Vorstellung gab es statistische Randnotizen, die nicht unerwähnt bleiben dürfen. Alex Ovechkin gelang spät im Spiel noch der Ehrentreffer, als Thompson bereits für einen sechsten Feldspieler vom Eis gegangen war. Damit beendete er nicht nur seine Torflaute, sondern überholte kürzlich auch Wayne Gretzky für die meisten Heimspiele mit einem Tor – ein neuer NHL-Rekord. Auch Ryan Leonard und Justin Sourdif kamen mit starken persönlichen Serien in die Partie, konnten dem Spiel diesmal aber nicht ihren Stempel aufdrücken. Den Schlusspunkt setzte schließlich Roope Hintz mit einem Treffer ins leere Tor zum 1:4-Endstand.

Angesichts dieser Leistung wird deutlich, dass das Team vor der Trade-Deadline womöglich noch an zwei oder drei Stellschrauben drehen muss, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Auch das Farmteam geht leer aus

Es war wahrlich kein guter Abend für die Organisation. Auch die Texas Stars, das AHL-Team der Dallas Stars, konnte jubeln, während das Farmteam der Capitals das Nachsehen hatte – wenn auch in einem anderen Kontext. Die Texas Stars verloren allerdings knapp mit 2:3 gegen die Grand Rapids Griffins in der Van Andel Arena.

Dabei zeigte der junge Torhüter Arno Tiefensee eine starke Leistung mit 41 Paraden für Texas. Connor Punnett rettete einmal spektakulär für seinen bereits geschlagenen Schlussmann und bereitete später die Führung durch Cross Hanas vor. Doch Grand Rapids schlug zurück: Austin Watson glich aus, und im letzten Drittel drehten die Griffins die Partie. Zwar konnte Kole Lind nach Vorarbeit von Hanas noch zum 2:2 ausgleichen, doch Ondrej Becher besiegelte mit einem One-Timer sechs Minuten vor dem Ende die Niederlage für Texas. Trotz der Herausnahme des Torhüters gelang der Ausgleich nicht mehr.