Zeitenwende auf dem Eis: Kölner Rekordlauf gestoppt und ein NHL-Gigantenduell vor dem möglichen Ende

Kurz vor der gut vierwöchigen Olympia-Pause hat es die Kölner Haie nun also doch erwischt. Die beeindruckende Rekordserie in der Deutschen Eishockey Liga fand ein jähes Ende, als der Tabellenführer den Löwen Frankfurt mit 1:4 unterlag. Damit verpassten die Domstädter den 17. Sieg in Serie. Erst in den beiden Runden zuvor hatte der achtfache Meister die bisherige Bestmarke der Adler Mannheim tangiert und schließlich überflügelt. Ausgerechnet Dominik Bokk, einst selbst im Dress der Frankfurter unterwegs, fand nach der Partie treffende Worte für den Dämpfer. Man sei schlichtweg nicht ganz bei der Sache gewesen, während die Frankfurter einfach hungriger agierten und deutlich mehr investierten. Dass man irgendwann wieder als Verlierer vom Eis gehen würde, war ohnehin klar, nur der Zeitpunkt so kurz vor der Liga-Unterbrechung sei freilich bitter.

Frankfurter drehen die Partie

Dabei sah es für Köln, das sein Play-off-Ticket für das Viertelfinale bereits längst in der Tasche hat, anfangs gar nicht schlecht aus. Gregor MacLeod besorgte in der 33. Minute die Führung der Hausherren. Danach kippte das Momentum allerdings völlig. Tommy Pasanen mit einem Doppelpack in der 42. und 60. Minute, Nathan Burns sowie Matthew Wedman drehten den Spieß zugunsten der Löwen um und sicherten die drei Zähler. Trotz des Ausrutschers thronen die Haie nach 44 von 52 absolvierten Runden im Grunddurchgang weiterhin unangefochten an der Spitze. Satte zwölf Punkte beträgt der Polster auf den ersten Verfolger aus Mannheim. Die Adler konnten derweil ihr Auswärtsspiel bei den Iserlohn Roosters knapp mit 2:1 für sich entscheiden.

Auf dem sechsten Rang halten sich wacker die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven, auch wenn sie gegen die Grizzlys Wolfsburg eine 2:3-Niederlage nach Verlängerung einstecken mussten. Federn ließen ebenso die Eisbären Berlin, die bei den Augsburger Panthern mit 1:2 den Kürzeren zogen. Ganz düster präsentiert sich die Lage hingegen beim Tabellenschlusslicht aus Dresden. Die Eislöwen kassierten beim drittplatzierten ERC Ingolstadt ein 1:4, was gleichbedeutend mit der achten Niederlage am Stück war. Der Rückstand auf den Vorletzten aus Frankfurt ist mittlerweile auf gewaltige 19 Punkte angewachsen.

Der letzte Akt im nordamerikanischen Gigantenduell?

Ein historisches Ende einer Serie hierzulande, ein womöglich viel bedeutsamerer Abschied bahnt sich derweil in Nordamerika an. Während die DEL pausiert, richten sich die Blicke an diesem Wochenende auf das vielleicht letzte Aufeinandertreffen zweier absoluter Ikonen. Wenn die Pittsburgh Penguins und die Washington Capitals am Samstag und Sonntag in einem Hin- und Rückspiel aufeinandertreffen, könnte das den Schlusspunkt der größten individuellen Rivalität in der Geschichte der National Hockey League markieren. Man mag es kaum hoffen, doch die Realität holt auch Legenden ein. Alex Owetschkin, der mit seinem rasanten und körperbetonten Spielstil über die Jahre ordentlich einstecken musste, steht aktuell bei 31 Saisontreffern. Als bester Torschütze der NHL-Historie hat er in 20 seiner 21 Spielzeiten die 30-Tore-Marke geknackt. Er hat allerdings angekündigt, erst nach der heurigen Spielzeit über seine Zukunft zu entscheiden, zumal sein Vertrag ausläuft.

Sidney Crosby hingegen ist noch bis Ende der nächsten Saison gebunden und baut seinen eigenen NHL-Rekord stoisch aus. Es ist mittlerweile seine 21. Saison in Folge, in der er durchschnittlich einen Punkt pro Spiel liefert – eine Konstanz, die der von Owetschkin um nichts nachsteht. Crosby ist mittlerweile 38, Owetschkin 40 Jahre alt. Dass dieses Duo der Liga immer noch unangefochten das Gesicht leiht, ist ein gewisses Armutszeugnis für den Rest der NHL. Es wirkt fast so, als hätte man einem Großteil der nachrückenden Spielergeneration kollektiv das Charisma wegoperiert.

Wie James Bond gegen seinen Widersacher

Die Dynamik zwischen den beiden Altmeistern wirkt hingegen, als stamme sie direkt aus dem Casting-Büro eines Hollywood-Studios. Auf der einen Seite der smarte James Bond in Gestalt von Crosby, auf der anderen der klassische russische Filmbösewicht Owetschkin. Aus der anfänglichen Distanz ist längst ein tiefer, gegenseitiger Respekt und sogar eine gewisse Zuneigung gewachsen. Sogar das anspruchsvolle Publikum in Pittsburgh hat den Russen mittlerweile als absolut würdigen Kontrahenten in sein Herz geschlossen. Seit der Ligareform 2013 spielen beide in der Metropolitan Division und kreuzen dementsprechend permanent die Schläger. Ein Luxus, den Eishockey-Fans bei Mario Lemieux und Wayne Gretzky nie hatten. Deren direkte Duelle waren absolute Raritäten und fanden insgesamt nur 25 Mal statt.

Wenn Crosby und Owetschkin aufeinanderprallten, dann brannte stets die Luft, vom allerersten Tag an. Beide stießen nach dem Arbeitskampf und dem Ausfall der Saison 2004/05 in die Liga, trugen die NHL nach der Krise auf ihren Schultern und wurden dem fast unfairen Hype tatsächlich gerecht, wobei Owetschkin das erste Duell um den Titel des „Rookie of the Year“ für sich entschied. Viermal trafen sie in den Play-offs aufeinander, dreimal behielten die Penguins die Oberhand. Das Kuriose dabei: Wer auch immer diese epischen Serien gewann, holte am Ende stets auch den Stanley Cup. Unvergessen bleibt das zweite Spiel ihrer Play-off-Schlacht im Jahr 2009, als beide Superstars jeweils einen Hattrick aufs Eis zauberten.

Nackte Zahlen und purer Wille

Die Statistiken dieser Ära sprechen Bände. Im Grunddurchgang gewann Crosby 43 direkte Duelle, Owetschkin ging 31 Mal als Sieger vom Eis. In den Play-offs steht es 13 zu 12 für Crosby. Bei den Toren liegt der Russe mit 38 zu 35 überraschend knapp vorn, während der Kanadier bei den Punkten mit 97 zu 70 deutlich führt. In den entscheidenden Play-off-Partien hat Owetschkin mit 33 zu 30 Punkten wiederum leicht die Nase vorn.

Doch abseits dieser Zahlen war es vor allem das Spektakel, das faszinierte. Es war das eishockeygewordene Äquivalent zum Basketball-Klassiker Larry Bird gegen Magic Johnson – mit dem feinen Unterschied, dass die beiden NBA-Legenden nur 37 Mal aufeinandertrafen. Crosby und Owetschkin sind zwei Naturgewalten, die wie Widder auf einem Berggipfel aufeinanderprallten und uns mit einer schieren Überdosis an Wille, Talent und Tempo 99 Mal allerbeste Unterhaltung boten. Zweimal dürfen wir dieses Kräftemessen in Pittsburgh und Washington nun noch bewundern. Es sei denn, die beiden Teams treffen in den heurigen Play-offs erneut aufeinander. Pittsburgh ist bereits fix qualifiziert, für Washington bleibt nur noch eine minimale Außenseiterchance von sechs Prozent. Ein kleiner Funken Hoffnung auf eine Zugabe bleibt der Eishockeywelt also noch erhalten.