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Analyse: Darum ist der EC VSV ausgeschieden

foto.media/Harald Dostal
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Mit der 0:6-Niederlage gegen HC Orli Znojmo schied der EC VSV nun endgültig für die Playoffs 2018 aus. Ring-Hockey.at listet die Gründe für das erneute Scheitern der Villacher auf.

Schlechte Legionäre: Bis auf Miha Verlic und Ryan Glenn, waren alle Legionäre keine Verstärkungen. Zwar flackerte zeitweise das Können bei Andrew Sarauer und Jordan Hickmott auf, doch über die Saison gesehen war das auch bei ihnen zu wenig. Ebenso Rückkehrer Sam Labrecque konnte nicht überzeugen. Sein Defensivverhalten war zwar immer schon kritikwürdig, doch zumindest konnte er offensive Akzente setzen. Aber selbst diese waren heuer genauso wenig  zu sehen wie seine Fitness. Über Ben Walter, Miha Stebih, David Shields, Rob Flick und Kyle Beach legt man den Mantel des Schweigens. Vor allem Beach fiel nur wegen unnötiger Strafen auf und war somit eine der größten Enttäuschungen beim heurigen VSV.

Stagnierung der Einheimischen: Das Positive zuerst, die Torhüter Lukas Herzog und David Kickert bewiesen, österreichische Goalies sind gut genug für die Erste Bank Eishockeyliga. Zudem ist Verteidiger Stefan Bacher ein Ruhepol und nicht mehr wegzudenken. Auch Valentin Leiler zeigte, dass er ein guter Profi-Eishockeyspieler werden kann bzw. bereits ist. Hingegen stagnieren Benjamin Petrik, Patrick Platzer, Markus Schlacher und Nico Brunner zunehmend.  Zwar waren die nie als Leistungsträger gedacht, aber viel kommt eben auch nicht von ihnen.

Coaching: Der Villacher Kardinalsfehler passierte bereits nach letzter Saison und war die Nicht-Entlassung von Trainer Greg Holst. Es war nämlich logisch, dass nach der ersten Niederlagenserie über Holst geredet werden wird. Durch das Festhalten an seiner Person schuf man bei den Fans und im Verein somit automatisch eine schlechte, aber zuerst noch unterdrückte, Stimmung. Die Trennung war somit richtig, aber die Beförderung von Markus Peintner war falsch.

Während andere Vereine wie HC Bozen oder Fehervar AV19 ebenso ihre Trainer tauschten und somit wieder in die Spur fanden, entwickelte sich der EC VSV zurück. Man sah katastrophales Linien- und Wechselmanagement während des Spiels. Spielzüge, Laufwege und ein Aufbau des Powerplays waren ebenso nicht vorhanden. Zudem gab sich die Mannschaft regelmäßig nach Rückständen auf und schlitterte in Debakel.

Management: Es wäre nun falsch dem neuen Geschäftsführer Ulf Wallisch die heurige Saison umzuhängen. Zu viele Fehler geschahen in der Vergangenheit, die erst heuer offensichtlich wurden. Man muss Wallisch zugutehalten, dass sowohl mit Ticketaktionen für die Fans oder auch dem Hospitieren bei anderen Vereinen, Verbesserungen für die Zukunft angedacht und probiert werden.

Ausblick in die Zukunft: Der EC VSV steht vor eine Gabelung. Spielen sie nächste Saison erneut so lustlos und schlecht, wird der Verein in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Der neue starke Mann auf der sportlichen Seite hört auf den Namen Gerhard Unterluggauer. Das Villacher Urgestein wird sowohl Sportdirektor wie auch Trainer sein.Welche Spieler geholt und wie sein Spielsystem aussieht, kann derzeit nicht gesagt werden. Jedoch weiß man aus seiner Spielervergangenheit, dass er bei schlechten Leistungen durchaus laut werden kann. Zudem suchte er auf dem Eis immer den schnellen Abschluss und passte den Puck nicht hin und her.

Eine Herausforderung wird die Kaderzusammenstellung und dass zugehörige Budget werden. Denn dieses soll nicht wesentlich erhöht werden, aber die Legionäre dafür auf acht reduziert. Wenn also Glenn, Labrecque und Beach bereits Verträge für nächste Saison haben, müssen die verbleibenden fünf Legionäre vom ersten Spiel an einschlagen. Auch müssen weitere Österreicher für die freiwerdenden Spots geholt werden. Wie dies alles geschehen soll, ist derzeit unklar.

Abschließend, der EC VSV muss den Marktingsprung in das Jahr 2018 schaffen. Sowohl der Öffentlichkeitsauftritt – Homepage, Social Media, Pressearbeit – wie auch das Hockeyerlebnis in der Halle selbst, sind nicht zeitgemäß.

Auf Geschäftsführer Wallisch und Trainer Unterluggauer warten somit anstrengende Monate. Und zu viel Zeit dürfen sich die beiden nicht lassen. Denn der Aboverkauf für nächste Saison startet in Kürze und bis dahin muss der Verein schon einiges anbieten. So treu die VSV-Fans bisher nämlich waren, irgendwann reicht es jeden einmal. Für Eishockey-Österreich muss daher gehofft werden, dass der Standort Villach wieder in die Spur findet und nicht ein Dasein erleidet wie Feldkirch, Kapfenberg oder Zell am See.

Alexander Planasch

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