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Nach knapp zehn Jahren kam der gebürtige Wiener Emil Romig in seine Heimatstadt zurück und spielte die vergangene Saison für die Caps zu Ende. Für Ring Hockey nahm sich der 25-Jährige Zeit und gab Einblick in den Umbruch seiner Karriere.

RH: Du bist in der vergangenen Saison zum ersten Mal seit der Saison 2007/08 wieder in Österreich für einen österreichischen Verein aufgelaufen. Wie war das Gefühl, nach so langer Zeit wieder „zu Hause“ zu spielen?

Romig: Es war ein tolles Gefühl! Fast zehn Jahre war ich im Ausland und bin quasi nur auf „Heimaturlaub“ nach Österreich gekommen. Auch für meine Familie war es sehr aufregend. Anfangs bin ich von meinen Eltern verwöhnt worden bis zum Geht-nicht-mehr!

Wie hast du dich gefühlt, als du vom Vertragsangebot der Caps erfahren hast?

Es war etwas überraschend und ich habe zu dem Zeitpunkt damit überhaupt nicht gerechnet. Erstens, weil es schon so spät in der Saison war, und zweitens, weil ich eigentlich geplant hatte, noch ein oder zwei Jahre in Amerika zu bleiben.
Als dann aber das Angebot vor mir gelegen ist, musste ich mich doch fragen, auf was ich eigentlich warte. Ich war zehn Jahre lang im Ausland und auf einmal hatte ich die Chance, in meiner Heimatstadt vor meiner ganzen Familie und meinen Kindheitsfreunden Eishockey zu spielen. Das war dann doch ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte.

Wie war es für dich, das erste Mal im Dress der Caps in deiner Heimatstadt aufzulaufen?

Ein unglaubliches Gefühl! Ich habe und empfinde immer noch sehr viel Stolz für meine Heimatstadt zu spielen! Wie ich noch klein war, war ich immer bei den Spielen zuschauen und ich kann mich noch erinnern, wie ich mir damals immer gedacht habe, wie cool es wäre, bei den Capitals mitspielen zu dürfen!

Ist dir die Umstellung auf das etwas größere Eis in Europa leichtgefallen?

Es war generell nicht ein einfach für mich. Da ist es aber gar nicht auf die Größe der Eisfläche angekommen. Ich glaube, ich habe mir selber sehr viel Druck gemacht und wollte unbedingt von Anfang an performen. Das hat leider nicht so geklappt. Ich habe länger gebraucht, als ich mir vorgestellt habe, um mich einzugewöhnen und mein Selbstvertrauen am Eis zu finden. Und als es dann endlich soweit war, war im Endeffekt die Saison auch schon vorbei.

Du hast den Großteil deiner Karriere in den USA und dort hauptsächlich an der University of Denver verbracht. Wie ist es, zu studieren und nebenbei jedoch in der besten Universitätsliga der Welt zu spielen?

Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass das bis jetzt die besten vier Jahre meines Lebens waren!
Ich habe eine sehr gute Universitätsausbildung bekommen. Das Eishockey war ein tolles Niveau. Ich habe einige Mitspieler gehabt, die jetzt in der NHL auflaufen. Dazu ist mein damaliger Trainer seit heuer Head Coach der Dallas Stars. Da habe ich schon ziemlich viel gelernt.
Abgesehen davon ist der Spaß, den ich gehabt habe, kaum zu beschreiben. Ich habe mit circa 10.000 Studenten Anfang ihrer 20er auf engstem Raum für vier Jahre zusammengelebt. Als Universitätssportler ist man dazu noch auf dem Campus sehr bekannt. Das macht dann schon Spaß, Tag ein, Tag aus in diesem Umfeld zu leben.
Es ist natürlich auch nicht einfach! Ich habe sehr viel fürs Leben gelernt. Vor allem time management. Es braucht schon ziemliche Disziplin, soziale Aspekte des Lebens, ein anspruchsvolles Studium und allen voran natürlich das Sportliche miteinander zu vereinbaren. Meiner Meinung nach habe ich mich menschlich sowie sportlich sehr viel weiterentwickelt.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Eishockey und Sport im Allgemeinen in Amerika und Europa?

In Amerika ist alles auf Speed und Geradlinigkeit aufgebaut. Obwohl sich meiner Meinung nach das europäische Eishockey auch darauf hinbewegt, ist es doch noch etwas „verschnörkselter“.

Welches ist dein Lieblings-NHL-Team, welcher dein Lieblingsspieler?

Lieblings-NHL-Team hatte ich nie. Ich habe mir immer einfach gerne die guten Teams angeschaut.
Wie ich aufgewachsen bin, habe ich immer versucht, mir viel von kleineren Spielern – so wie ich – abzuschauen. Paradebeispiel ist Martin St. Louis. Mich hat es immer bezaubert, wie er trotz seiner körperlichen Nachteile durchsetzen konnte.

Zurück nach Wien: Was erwartest du dir von deiner Zeit bei den Caps?

Championships!
In meinem letzten Jahr in Denver habe ich mit meiner Mannschaft die Liga gewonnen. Die Euphorie, nach so langer, harter Arbeit ganz oben zu stehen, ist einfach unbeschreiblich. Da will ich bis zum Ende meiner Karriere noch so oft wie möglich hin!

Wie bewertest du die Teams der EBEL vor der neuen Saison?

Ich glaube, so ziemlich jedes Team hat sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Teams, die es letzte Saison nicht ins Playoff geschafft haben – wie zum Beispiel Graz – haben ordentlich eingekauft. Das wird für die ganze Saison ein harter Kampf auf hohem Niveau.

Wie ist es für dich, von so einem erfahrenen Coach wie Dave Cameron trainiert zu werden? Hattest du in Amerika mit ihm zu tun?

Daves Name war mit natürlich ein Begriff, aber ich hatte mit ihm in Amerika nichts zu tun.
Es ist eine tolle Chance für uns alle von jemandem mit dem Kaliber eines Dave Cameron trainiert zu werden. Es zeugt auch von der Qualität der Liga und vor allem der Vienna Capitals, jemanden wie ihn an Bord zu bringen!

Steckbrief Emil Romig:

Geburtstag: 19. September 1992
Geburtsort:
Wien
Position:
Stürmer
Schießt mit:
Links
Größe:
175 cm
Gewicht:
81 kg

für ring-hockey.at (Lukas Hörmandinger, am 8.8.2018)

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