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Kommentar: Die EBEL entwickelt sich zu einer Zweiklassengesellschaft. Droht der Kollaps?

Red Bull/GEPA Pictures/Patrick Leuk
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Der EC KAC verpflichtet kurz vor Ende des Grunddurchgangs den ehemaligen EBEL-Torjäger Andrew Kozek. Red Bull Salzburg startet schlecht in die Saison und holt daraufhin zwei Ex-NHL und einen KHL-Spieler. Bei den Vienna Capitals verletzt sich zu Beginn der Saison der Stammtorhüter und es wird der Finne Pekka Tuokkola geholt. Die Black Wings Linz verleihen die Verteidiger Gerd Kragl und Bernhard Fechtig innerhalb der Liga und holen Verstärkungen aus Übersee.

Die Erste Bank Eishockeyliga entwickelt sich immer mehr zu einer Zweiklassengesellschaft. Die Big 4 (Vienna Capitals, RB Salzburg, EC KAC, Black Wings Linz) haben das Budget und reizen dieses bis zur Grenze aus. Hinzukommen der HC Bozen und Medvescak Zagreb, die ebenso Legionäre noch und nöcher verpflichten, doch überraschenderweise haben manche von jenen kurze Zeit später einen EU-Pass und gelten dadurch nicht mehr als Legionäre.

Durch die Finger schauen somit Vereine mit kleineren Budgets, die nicht nach Lust und Laune Topspieler nachverpflichten können. Zwar heißt es immer, jeder kann jeden schlagen und sieht man sich die Tabelle an, so stimmt diese Aussage durchaus. Doch bei vier Aufeinandertreffen während der 1. Phase des Grunddurchgangs, ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg recht hoch. Letztlich setzen sich aber jene Teams in den Playoffs durch, die das nötige Kapital haben. Das zeigt auch die Vergangenheit und die Statistik.

Saison Vienna Capitals EC KAC Red Bull Salzburg Black Wings Linz
2012/2013 Finale Meister Halbfinale Halbfinale
2013/2014 Viertelfinale Keine Quali Finale Halbfinale
2014/2015 Finale Halbfinale Meister Halbfinale
2015/2016 Viertelfinale Viertelfinale Meister Halbfinale
2016/2017 Meister Finale Halbfinale Viertelfinale

 

In den letzten fünf Jahren waren die Big4 Dauergäste in den Playoffs und zudem eine sichere Bank für Halbfinaltickets. Zwar gibt es Ausreißer wie den HC Bozen (Meister 2014), HC Orli Znojmo (Finalist 2016) oder den EC VSV (2x Halbfinale), aber das sind eben die Ausnahmen, und nicht die Regeln.

Der Dornbirner EC, HC Innsbruck oder Fehervar AV19 können von einem Halbfinale nur träumen und müssen sich freuen, wenn sie es überhaupt in die Playoffs schaffen.

Die Frage stellt sich nun immer öfter, bläst sich die Liga auf und droht in absehbarer Zeit ein finanzieller Kollaps? ORF-Eishockeylegende Tono Hönigmann hält im Gespräch mit ring-hockey.at fest, dass es für ihn ebenso nicht unwahrscheinlich sei.

In der Saison 1999/2000 standen nur noch vier Vereine in der höchsten österreichischen Eishockeyklasse. Übrigens waren dies der EC KAC, EC VSV, die VEU Feldkirch und der WEV. Zwei von diesen Klubs gibt es schon seit fast zwanzig Jahren nicht mehr in der EBEL. Danach folgte der große Ligacrash. Mittlerweile konnte sich auch Olimpija Ljubljana das Abenteuer Erste Bank Eishockeyliga nach zehn Jahren Zugehörigkeit nicht mehr leisten.

Ebenso andere Klubs befinden sich in finanziellen Nöten. In Villach klagt man nicht erst seit diesem Jahr über die Finanzen.

Die Liga erfreut sich zwar jedes Jahr über steigende Zuschauerzahlen. Aber für die Ausgeglichenheit innerhalb der Liga oder über die Zukunft der EBEL hört und liest man vonseiten der Verantwortlichen sehr wenig bis gar nichts.

Jeder der sich an die 1990er Jahre aber zurückerinnert, kann Parallelen zu heute erkennen. Kurzfristige Legionärsverpflichtungen für den schnellen Erfolg waren damals genauso wie heute gang und gäbe. Die Fans goutieren es zwar bedingt mit vollen Hallen, nachhaltig ist da jedoch nichts. Fällt ein Sponsor oder ein Mäzen aus irgendwelchen Gründen weg, steht der Verein vorm Ruin.

Warum sich die Liga nicht auf Chancengleichheit einigt oder langfristige Konzepte ausarbeitet, ist nicht nachvollziehbar. Im Interesse des Sports, der Fans, der Vereine und vor allem der Spieler, muss die Chancengleichheit und das Abrüsten der Budgets auf der nächsten Tagesordnung der Präsidentensitzung ganz oben stehen. Denn ein Revival von einer 4er Liga wie 1999 und den mühsamen Aufbau des österreichischen Eishockeys in den 00er Jahren, will niemand mehr wiederholen.

Alexander Planasch

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