Connect with us

Mit der 1:2-Niederlage in Spiel 5 vor heimischem Publikum sind die Träume auf Titelverteidigung in der Hauptstadt geplatzt. Nun wird es beim Meister wohl einen Umbruch geben – angefangen beim neuen Trainerteam und der Frage, welche Spieler bleiben.

Nach der Rekord-Saison mit dem zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte war vielen klar, dass eine Wiederholung nur schwer möglich wird. Die Caps starteten jedoch hervorragend in die zweite Spielzeit unter Serge Aubin und konnte erneut souverän den ersten Platz im Grunddurchgang holen. Doch in der Pick Round begann es beim Meister zu kriseln, letztendlich konnte man zwar auch hier als bestes Team hervorgehen, doch man war angezählt.
Im Viertelfinale startete man ohne Mühe mit drei Siegen gegen Vorjahresgegner Innsbruck, alles deutet auf einen neuerlichen Sweep. Mit dem ersten Sieg der Haie konnten vermutlich alle Beteiligten leben, doch nach dem zweiten Erfolg der Tiroler wurde den Wienern etwas mulmig. Nachdem man sich jedoch in Spiel Sechs mit dem vierten Sieg in das Halbfinale heben konnte, schien die Welt in der Hauptstadt wieder heil.
Mit dem HC Bozen bekam man es im Halbfinale erneut mit dem Gegner aus dem Vorjahr zu tun. Es war zwar jedem klar, dass diesmal mit keinem Sweep zu rechnen war, doch glaubte man felsenfest an das Weiterkommen. Dies wurde mit dem 4:0-Auftaktsieg auch untermauert. Mit der 4:1-Niederlage in Bozen wurden die Experten- und Fanmeinungen ebenfalls bestätigt. Man rechnete mit weiteren Siegen für beide Mannschaften und dem letztendlichen Aufstieg des Meisters. Doch Siege gab es nur noch für die Bozener, einmal sogar eine 5:2-Vorführung in Südtirol.

Doch warum setzte es für den so souverän aufspielenden Meister im Endeffekt eine 1:4-Serienniederlage und das verfrühte Aus?

Grundlegendes:

Zunächst muss die hervorragende Leistung von Pekka Tuokkola erwähnt werden. Der Finne ist maßgeblich am Erfolg der Foxes beteiligt und bietet den Südtirolern schon seit geraumer Zeit tollen Rückhalt.
Natürlich spielte den Bozenern das Fehlen von Riley Holzapfel, der sich gegen Innsbruck verletzt hatte, und Rafael Rotter, der die letzten beiden Partien nicht spielen konnte, in die Hände. Doch starteten die Probleme der Wiener bereits vor den Verletzungen der beiden Top-Stars, einfacher machte es die Playoffs für den Meister jedoch nicht.
JP Lamoureux war, im Gegensatz zum letzten Jahr, heuer ein durchaus guter Rückhalt, auch in den Playoffs. Zwar erlaubte er sich den ein oder anderen Patzer – gerade der Ausgleich im letzten Spiel geht auf seine Kappe -, doch das Saison-Aus an ihm aufzuhängen, wäre falsch.

Kadermanagement:

Für einige wurde der erste Fehler bereits vor dem eigentlichen Beginn dieser Saison gemacht, als Kapitän Jonathan Ferland nicht verlängert wurde – man munkelt sogar, er wäre per Telefon über die Entscheidung informiert worden. Dass man den technisch sowie physisch zwar nicht mehr spitzenmäßigen, aber mental dafür umso stärkeren Stürmer nicht mehr wollte, wirkt unverständlich. Sein Nachfolger wurde bekanntlich Andreas Nödl. Der mit Erfahrung geladene Stürmer scheint nicht die optimalste Lösung für das Amt des Team-Leaders, ist, betrachtet man den gesamten Kader der Caps, jedoch die einzig logische Option gewesen. Wie sehr das Fehlen von Ferland eine Lücke in das Gefüge des Meisters gerissen hat, bleibt jedoch offen.
Ebenfalls umstritten ist der Abgang von Center MacGregor Sharp, der für Brandon Buck, eigentlich ein linker Flügel, und den Bestimmungen der EBEL weichen musste. Buck brachte zwar noch etwas mehr Dynamik in das Spiel der Caps, doch mit Sharp wurde dafür vollkommen unverständlich ein solider, vor allem im Penalty Killing stark aufspielender Center abgemeldet. Doch gerade dort hatte man im Laufe der Playoffs Probleme. Sowohl gegen Innsbruck, als auch gegen Bozen (Spiel 4, 3 Gegentore) schwächelte das Unterzahlspiel der Wiener.
Dass Buck nur als Center eingesetzt wurde, ist unverständlich – zuletzt besetzte er die Position sogar in der ersten Linie -, zumal man mit Vause, Tessier (der am Flügel eingesetzt wurde), Wukovits, Nissner, Großlercher und alternativ Fischer auch ohne Holzapfel genügend Spieler auf dieser Position hatte.
Ebenso erstaunlich war der (neuerliche) Einsatz von Patrick Peter am Flügel. Zwar war es für den Verteidiger keine besonders neue Situation, doch auch hier hätte man mit dem Einsatz von Großlercher oder Bolterle Abhilfe schaffen können, zumal Patrick Peter über die beiden Saisonen unter Aubin zu einem wichtigen Bestandteil der Defensive geworden ist.

Spielerisch:

Der Hintergrund für die für jedermann sichtbare Veränderung in der Spielweise und der Mentalität der Mannschaft bleibt Teil von Spekulationen. Ob es an einem Streit innerhalb der Mannschaft, am frühzeitigen Bekanntgeben des Abganges von Trainer Aubin am Ende der Saison oder an anderen Faktoren liegt, weiß man wohl nur intern. Klar ist jedoch, dass der Meister spätestens ab der Pick Round einiges an Kaltschnäuzigkeit und Siegeswillen eingebüßt hatte.
Zwar war der Meister weiterhin drückend dominant, doch die Tore fehlten. Gegen Innsbruck, aber vor allem gegen Bozen biss man sich die Zähne aus, sowohl bei Fünf gegen Fünf als auch im sonst so guten Powerplay wollte die Scheibe nicht ins Tor.
Wenn die Caps jedoch nicht gerade am Drücker waren, wirkten sie oft einfalls-, ja sogar lustlos. Es schlichen sich immer öfter Situationen ein, in denen man dem Meister den Siegeswillen nicht anmerkte.
Darüber hinaus fehlte es in der Verteidigung zunehmend an der nötigen Konzentration. Fehlpässe häuften sich, die meisten Gegentore im Halbfinale folgten aus Eigenfehlern, wie auch Andreas Nödl im Interview mit Sky zugab.

Lichtblicke:

Trotz des bitteren Aus muss jedoch gesagt werden, dass das Offensiv-Spiel des Meisters – abgesehen von der Chancenverwertung – sehr schön zum Ansehen war. Das teilweise minutenlange Einschnüren des Gegners in dessen Drittel und das Kreieren von Chance um Chance imponierte – war jedoch letztendlich zu wenig.
Wenn man einen Spieler in diesen Playoffs positiv herausheben soll, dann definitv Peter Schneider. Der „Bulle“ wurde seinem Spitznamen einmal mehr gerecht und war die Verkörperung von Kampfgeist und Siegeswille. Über weite Strecken war er es, der das Team mental durch die Playoffs getragen hatte und nichts unversucht ließ, um den Sieg zu sichern. Er sollte auf jeden Fall gehalten werden, ein Spieler wie er bereichert jedes Team.

ring-hockey.at (Lukas Hörmandinger)

Comments

More in Backstagestories / Analysen